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Diskussionen der 20. Interkulturellen Sommerakademie

"Interkulturelle Öffnung neu denken"
Kommunikation prägt und verantwortet soziales Miteinander

„Was fördert und was behindert ein weltoffenes Miteinander in der Arbeitswelt?“ Die Suche nach einer Antwort auf diese Frage stand im Mittelpunkt der Konferenz „Weltoffen miteinander arbeiten. In Thüringen“(WOM), die am 3.9.2019 im Rahmen der 20.Interkulturellen Sommerakademie  an der Universität Jena (FSU) stattfand.

Die Bereiche Interkulturelle Wirtschaftskommunikation, Wirtschaftsgeographie und Finanzwissenschaft hatten im Rahmen ihres durch den Europäischen Sozialfonds geförderten gleichnamigen Projekts 

Akteure mit unterschiedlichsten Perspektiven auf das Thema „Migration“ eingeladen: Ökonomen, Sozial-, Kultur- und Kommunikationswissenschaftler waren ebenso vertreten wie Unternehmer, die von ihren – zumeist überaus positiven - Erfahrungen mit internationalen Arbeitskräften berichteten, Mittlerpersonen aus der Migrationsarbeit sowie Zugewanderte, die sehr anschaulich den Blick auf die Situation der Ankommenden zu öffnen vermochten.

Den Anlass der Konferenz bot die wirtschaftlich aktuell herausfordernde Situation in Thüringen: Fachkräftemangel, die geringste Arbeitslosen-quote seit der Wende sowie zusätzlich die demographisch bedingte

Verknappung des Arbeitsmarktes in den kommenden Jahren lassen einen nationalen und internationalen Zuzug von Arbeitskräften außerhalb Thüringens als unabdingbar erscheinen. Eine wesentliche Bedingung hierfür ist die aktive Bereitschaft Thüringer Betriebe, Organisationen und der Bevölkerung insgesamt, Neuankommenden ein Gefühl des Erwünschtseins zu vermitteln und gemeinsame Zielsetzungen in einem konstruktiven Miteinander verwirklichen zu können.      

Was sie als Bedingungen für das Gelingen eines Miteinanders einschätzen und wo sie eher Hürden sehen, wurde von den etwa 90 Teilnehmenden der Konferenz in Vorträgen, Paneldiskussionen, Befragungen und Workshops sehr konkret herausgearbeitet.

Fördernde Faktoren eines weltoffenen Miteinanders wurden vor allem darin gesehen, dass Kontaktmöglichkeiten zwischen den bereits in Thüringen Ansässigen und den Ankommenden geschaffen und genutzt werden: Kontakt trägt dazu bei, andere Sichtweisen kennenzulernen, Chancen für gemeinsame Perspektiven zu entwickeln und Vorbehalte abzubauen. Sehr anschaulich dargestellt wurde anhand zahlreicher Beispiele aus dem Arbeitsalltag, wie wichtig es ist, bewusst eine offene Haltung in Bezug auf das Miteinander einzunehmen. Hierzu zählten Empathie, Interesse an Unbekanntem und Vertrauensbereitschaft. Unverzichtbar sei aber auch Geduld, wie ein Teilnehmer bemerkte, der kürzlich nach Ostthüringen migriert ist und dort mit großer Leidenschaft im Gaststättengewerbe arbeitet.  

Umgekehrt wurden Kontaktmangel und damit verbundene Ängste und Vorurteile als zentrale Hindernisse für ein weltoffenes Zusammenleben genannt. Interessant ist, dass der Faktor „Sprache“ sowohl bei den Misserfolgs- als auch bei den Gelingensfaktoren an vorderster Stelle genannt wurde. Eine abschließende Großgruppendiskussion verdeutlichte, warum dies so ist: Ob und inwieweit es einer Organisation beziehungsweise einem Unternehmen gelingt, interkulturelle Öffnung im Sinne eines Miteinanders zu praktizieren, oder ob eine entsprechende Haltung in Teams tatsächlich gelebt wird, hängt in entscheidender Weise davon ab, in welcher Weise kommuniziert wird. Sprache und Kommunikation in weiterem Sinne entwickeln und fördern ein Miteinander dann, wenn sie wertschätzend, nicht polarisierend und auf Augenhöhe stattfinden. Sie können jedoch auch abgrenzen, ausgrenzen, verletzen und Ängste schüren – selbst in der Verwendung geläufiger Begriffe wie „Ausländer“ oder in Entgegensetzungen wie „Fremde“ und „Einheimische“.

In diesem Sinne ist die aktuell vieldiskutierte Spaltung der Gesellschaft, die Polarisierung zwischen sich vermeintlich ausschließenden weltanschaulichen Positionen wesentlich Resultat von Kommunikationsprozessen, die eher emotional als reflexiv verlaufen und nicht an nachhaltigem Beziehungsaufbau orientiert sind. Genau das ist es aber, so das übereinstimmende Votum der Teilnehmenden, was ein weltoffenes Miteinander initiiert und fördert. Dies entspricht dem Plädoyer, Kommunikation und Sprache bewusst einzusetzen, eher von halbvollen als von halbleeren Gläsern zu sprechen, daran zu denken, dass wir mit der spezifischen Art und Weise unserer Kommunikation grundsätzlich ein stückweit selbst dafür verantwortlich sind, wie konstruktiv und wertschätzend sich unsere Beziehungen – nicht nur am Arbeitsplatz – gestalten. Anders gesagt: die Beteiligten an solchen Begegnungen sind es selbst, die mit ihren Einstellungen und ihrem Kommunikationsverhalten zu einem Miteinander einladen - oder aber genau dies verhindern.